ORTLIEB Outdoor Equipment - 30 Jahre Ortlieb
Südengland im Frühjahr 1981. Dauerregen fällt auf das saftige Grün der gefälligen Hügellandschaft. Nichts Neues in dieser Gegend. Mittendrin steht ein junger Radler mit Wuschelkopf und voll bepacktem Fahrrad. Er wirkt genervt. Es tropft aus den Kleidern, den Taschen, den Locken und der Nase. Reisefreudig hatte der junge Abenteurer gespart und diesem Trip entgegengefiebert. Jetzt und hier kann er sich nichts weniger Aufregendes vorstellen, als die nächste Nacht wieder im durchnässten Schlafsack und mit feuchten Klamotten durchzustehen.
Der junge Mann sieht einen Lkw vorbeifahren. Der südenglische Dauerregen prasselt auf seine Plane nieder. Seine Ladung bleibt trocken und sauber.
Eines liegt nahe: Dieses Ereignis trug sich zu bevor die wasserdichte ORTLIEB Packtasche erfunden war. Auch ist zu erahnen, dass die Situation in direktem Zusammenhang mit der ORTLIEB Packtasche steht.
Und tatsächlich: Der Wuschelkopf heißt Hartmut ORTLIEB und fängt gerade an, seinen Frust zu kanalisieren und in kreative Findigkeit zu verwandeln. Er spinnt etwas aus, was den nächsten mühsam ersparten Trip retten wird!
Gleich nach seiner Heimkehr bastelt er an Mutters Nähmaschine aus roter Lkw-Plane einen Packbehälter. Mit einem Stück Gurtband aus der Sattlerei fixiert er den Deckel. Er bringt Haken aus dem Baumarkt an, um den eigenwilligen Packsack am Gepäckträger zu befestigen. Und weil Radfahren Geist und Körper in Bewegung hält, produziert der rege Teenie von nun an täglich neue Ideen, wie er seine Erfindung verbessern und verfeinern kann. So werden - frei nach dem Packeselprinzip - irgendwann aus einer Tasche zwei.
Es ist die Zeit, in der die Outdoor-Branche noch aus ein paar Freaks besteht, die kopierte Handzettel mit den neuesten Produktideen händisch verteilen. Der eine oder andere macht schon die eigene Spinnerei zum Beruf. Der junge Hartmut steckt gerade im Abitur und radelt immer noch mit seinen genähten Hinterradtaschen durch die Stadt. Ab und zu zieht es ihn auch voll bepackt zum Klettern in die Fränkische Schweiz
Immer mehr Freunde und Bekannte zeigen Interesse an den auffallend andersartigen Taschen, die zwar nicht mit ihrem Design glänzen, umso mehr aber mit ihrem Funktionswert. Immer häufiger wird Hartmut "angehauen": Hey, mach mir mal ein paar davon, die kann ich in meinem Laden verkaufen!. So ergibt sich die erste Vertriebsstrategie und die erste Taschenserie. Die Nähmaschine zieht in eine Hinterhofgarage ein.
Der Hinterradtaschen-Konstruktion folgt eine Lenkertasche. Die Nachfrage überfordert schon bald den Einmannbetrieb. Verstärkung muss her. Familienmitglieder und Freunde werden eingespannt. 1982 wird die Firma ORTLIEB gegründet.
Die erste Produktbroschüre präsentiert das noch überschaubare Sortiment: genähte Hinterrad-, Vorderrad- und Lenkertaschen. Die erste Messe steht schon bald auf dem "Marketingplan". Mit einem Tapetentisch bewaffnet tritt ORTLIEB in einer dunklen Nische unter einer Rolltreppe auf und stellt seine Unikate aus. Mundpropaganda heißt die greifende Werbestrategie in der noch überschaubaren Outdoor-Branche. Der Effekt ist überwältigend.
Die ungute Erinnerung an den feuchten Schlafsack lässt den umtriebigen Erfinder aber immer noch nicht ruhig schlafen. Genähte Verbindungen sind eben doch immer irgendwie undicht. Erste Schweißversuche werden unternommen, um das Problem anzupacken. Hochfrequenz lautet das Zauberwort. Denn im Gegensatz zu hitzeverschweißten Nähten gewähren die materialschonenden Hochfrequenzstrahlen eine höhere Belastbarkeit. Die Versuche auf einer ausrangierten Maschine, auf der zuvor Brillenetuis gefertigt wurden, gehen in die Serienreife über. Von nun an sind ORTLIEB Taschen 100% WASSERDICHT! Ohne Imprägnierung und Nahtdichter. Der erste Meilenstein ist gesetzt.
Der nächste folgt sogleich: der Rollverschluss. Zunächst überzeugt er als einfaches, aber effektives Prinzip für einen Packsack. Nichts ist simpler als drei bis vier Wicklungen am offenen Ende des Sacks mit einer Steckschnalle zu fixieren. Das Ergebnis ist nicht nur wasser-, sondern sogar schwimmdicht.
Die Baumarkthaken an den Radtaschen werden bei aller Stabilität den gestiegenen Ansprüchen von Hersteller und Kundenkreis nicht mehr gerecht. Und so tüftelt der findige Autodidakt das erste selbstarretierende Befestigungssystem Quick-Lock1 aus. Inzwischen ist die Firma auf eine 20köpfige Belegschaft angewachsen. Dazu gehört Mutter ORTLIEB, die den Empfang und das Sekretariat managt.


Wir befinden uns Mitte der Neunziger. Die allgemeine Freude an Outdoor-Aktivitäten, der Bedarf an durchdachter Ausrüstung und die Ansprüche steigen weiter. ORTLIEBs Antwort ist der erste wasserdichte Rucksack Pack-Man (Pac-Man aus dem Kinderzimmer lässt grüßen) mit ergonomischem Tragesystem. Die Kapazitäten in der Nürnberger Innenstadt platzen endgültig aus allen Nähten. Die 60köpfige Belegschaft zieht nach Heilsbronn, 20 km vor den Toren der Stadt, um.
ORTLIEB ist eine dynamische junge Firma. Dennoch versteht es sich damals noch nicht von selbst, dass ein Unternehmen in den neuen Medien präsent ist. Weil jeder Mitarbeiter zahlreiche unterschiedliche Aufgaben hat, fühlt sich der Umweltbeauftragte zuständig und beschließt ORTLIEB goes INTERNET! Im August 1997 wird die erste selbst programmierte Website ins World Wide Web gestellt. Mit dem Auftritt, der eher wie ein Comic anmutet, ist man immerhin eine der ersten deutschen Firmen der Branche, die online agiert. Schon bald zählt der selbst ernannte New Media-Mann 500 Besucher im Monat - heute sind es 45.000 und der Umweltbeauftragte ist Werbeleiter.

ORTLIEB ist als Synonym für die wasserdichte Fahrradpacktasche nicht mehr wegzudenken. Die legendären Back-Roller haben zu diesem Ruf einen entscheidenden Beitrag geleistet. Hunderttausende von ihnen sind als treue Weggefährten rund um den Globus unterwegs. Eine umfangreiche Gefolgschaft bekennender Allwetterradler trägt die Kunde der verlässlichen Marke ORTLIEB in die ganze Welt. Ein nicht unerheblicher Teil davon sind die Fahrradkuriere, die in jeder Großstadt gemeinsam mit ihrem markanten Kuriersack zum Straßenbild gehören. Sie sind der radelnde Beweis dafür, dass Belastbarkeit bei ORTLIEB ein voll bepacktes Versprechen ist.
Die Begründer der Rad- und Outdoor-Branche waren Visionäre. Was für sie damals Nonkonformismus war und entsprechend gepflegt wurde, ist heute buchstäblich alltäglich: Das Fahrrad bewährt sich als universelles Fortbewegungsmittel, als Sportgerät auf der Straße und offroad. Ebenso wie der Wanderrucksack und die Multifunktionsjacke offenbaren ORTLIEB Packtaschen am Rad das Ausrüstungstalent und die Outdoor-Affinität ihres Trägers.
Nicht nur die Fachhändler im deutschen Binnenmarkt setzen heute auf die Aktualität und gewinnende Dynamik der Marke ORTLIEB. Mit 21 Vertriebspartnern in 19 Ländern weltweit hat sich das mittelständische Unternehmen global etabliert und ist Marktführer in seinem Qualitätssegment.
Unabhängige Meinungsbildner und die internationale Fachpresse haben die Entwicklung der Marke ORTLIEB von Anfang an mit Begeisterung unterstützt. Jeden Monat wird im Schnitt ein ORTLIEB Produkt mit einem Kauftipp oder einer Empfehlung ausgezeichnet. Das spornt die mittlerweile über 140 MitarbeiterInnen natürlich permanent dazu an, sich tatkräftig für die gleichbleibend hohe Qualität und die Innovationskraft von ORTLIEB zu engagieren.
Die Lkw-Plane der ersten Jahre wurde abgelöst durch spezielle, nach ORTLIEB Vorgaben gefertigte Rollen. Diese werden flankiert von neuen Technologien, die seit einigen Jahren im Einsatz sind wie z.B. Neopren für elastische Außentaschen. Nach wie vor werden alle Produkte im Hochfrequenz-Schweißverfahren am Firmenstandort in Heilsbronn produziert. Made in Germany. Das schlägt sich auch in stetig wachsenden Beschäftigungszahlen nieder, wofür Hartmut ORTLIEB 2005 den Jobstar von Institutionen der Region Nürnberg verliehen bekam. Der Einsatz des Teams wiederum bekommt jährlich Spitzennoten in Umfragen bei den Fachhändlern und führte zur Auszeichnung Lieferant des Jahres 2008 durch Globetrotter Ausrüstung.
Im Jahr 2012 feierte ORTLIEB sein 30jähriges Firmenbestehen. Von Firmengründung an ist ORTLIEB Impulsgeber auf dem Fahrrad- und Outdoor-Markt und setzt nach wie vor Standards im Bereich hochfunktioneller Ausrüstung. Die Produktpalette umfasst inzwischen über 500 Einzelprodukte. Das Ziel ist dabei immer das Gleiche geblieben: Menschen, die ihre Freizeit aktiv in der Natur verbringen, sollen sich unabhängig fühlen von allem, was sie nicht beeinflussen können - sprich: vom Wetter.
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